Pro

Eigentlich liegt es ja auf der Hand: Einen Film respektive eine Serie in einer synchronisierten Fassung anzusehen macht dann – und nur dann – Sinn, wenn man der Originalsprache nicht mächtig ist. Denn ganz gleich, wie gut eine Synchronisation auch sein mag, es geht auf jeden Fall etwas dabei verloren. Hiermit möchte ich klarstellen, dass ich kein Film-Hipster bin, der sich einen armenischen Low-Budget-Indie Streifen ohne Untertitel in der Originalsprache ansieht, um die Sprachmelodie zu erleben. (Ich würde ihn auch nicht mit Untertiteln ansehen, aber das ist eine andere Geschichte.) Worum es mir erstrangig geht: Wortspiele! Ich bin ein großer Freund von Wortspielen und gerade diese können oft nicht oder nur unzureichend übersetzt werden.

Hierzu möchte ich ein kleines Beispiel aus einer wundervollen Simpsons-Episode erwähnen: Nachdem Homer in Las Vegas im Casino eine Prostituierte heiratet, sitzt er traurig in Moes Taverne. Lenny sagt zu Carl, dass er dachte, ein Mann mit zwei Frauen würde glücklich sein, woraufhin Carl entgegnet, dass dies auf einen Mann mit zwei Messern zuträfe. Es folgt ein Kamera-Schwenk auf Moe, der glücklich mit zwei Messern hinter der Bar steht. In der englischen Sprache funktioniert das phonetisch (wives – knives), in den meisten anderen Sprachen ist dieser Gag einfach unübersetzbar.

Ein weiterer Dialog aus einer Simpsons-Episode:

Homer wird von einem Mafioso mit einem Messer bedroht.
Mark Hamill (zu Homer): „Homer, use the for…“
Homer: „The force?“
Mark Hamill: „The forks, use the forks!“
Homer nimmt die am Boden liegenden Gabeln, verteidigt sich damit, schlägt dem Mafioso das Messer damit aus der Hand und fixiert ihn mit einem gezielten Stich durch dessen Krawatte am Tisch.

Im Vergleich dazu der deutsche Dialog:

Mark Hamill: „Homer, nutze die Gabe…“
Homer: „Die Gabe?“
Mark Hamill: „Die Gabel, nutze die Gabel.“

Hier soll jeder selbst entscheiden, ob er sich von der Originalversion oder der Synchronisation mehr angesprochen fühlt. In diesem Sinne:

MarkChristoph

 

Contra

„Schaust du dir den Film aber schon in der Originalfassung an, oder?“ Mit dieser subtilen Aufforderung sah ich mich verstärkt seit der Studentenzeit konfrontiert. Egal ob „Herr der Ringe“, „Ziemlich beste Freunde“ oder „Django Unchained“, immer wurde angepriesen, dass sich der wahre Filmgenuss nur in der jeweiligen Originalfassung entfalten würde. Leider konnte ich in den seltensten Fällen dieser Aussage zustimmen.

Ich behaupte mal, dass ich im Englischen ein durchaus akzeptables Niveau habe. Dennoch stoße ich bei Filmen oft auch einmal auf Begriffe, die mir nicht geläufig sind. Wird dann auch noch ein Dialekt gesprochen oder altertümliches Vokabular verwendet (siehe „Herr der Ringe“) erreicht man bald seine sprachlichen Grenzen. „Das lässt sich doch aus dem Kontext heraus verstehen!“ oder „Lies halt den Untertitel!“ wird dem gerne entgegen gehalten. Doch hier läuft man Gefahr, dass das Filmschauen zur Arbeit wird. Abgelenkt durch Übersetzungsbemühungen bestimmter Begriffe, verliert man schnell den emotionalen Bezug zu einer Szene. Die Illusion des Films erlischt und weicht einem nüchternen Sprachtraining für Fortgeschrittene.

Des Weiteren muss ich gestehen, dass ich ein großer Fan der deutschsprachigen Synchronisationsarbeit bin. Während so manche englische Originalstimme nach meinem Dafürhalten eher farblos daherkommt, geben die deutschsprachigen Synchronsprecher einem Film erst das gewisse Etwas. Was wäre ein Robert De Niro ohne die tiefe, rauchige Stimme eines Christian Brückner? Was Bruce Willis ohne seinen Synchronsprecher Manfred Lehmann? Legendär sind auch die Synchronisationen von Rainer Brandt, unter anderem für die Bud Spencer und Terence Hill Filme. Die Witze und Wortspiele, die er einbaute, haben teilweise Einzug in die deutsche Alltagssprache gefunden. Hier hat die Synchronisationsarbeit Kultstatus erreicht.

Andreas

 

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geschrieben von

Andreas
Christoph

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Kommentare

Oh ja. So hab ich zu beginn auch gedacht.
Nach dem ich mich aber dann ein halbes Jahr auf meine Englisch Matura rein mit Film und Serien (auf Englisch) vorbereitet habe, versteh ich jetzt schon die meisten Dialekte.
Untertitel (auch auf Englisch) nutze ich nur bei einer Serie – Daredevil – da hab ich wirklich nicht viel vom Charlie Cox verstanden.
War echt hart, da mein Englisch wirklich nicht gut war. Hatte die ersten paar Wochen ständig einen Knoten im Hirn.
Jetzt gehts ganz gut. Obs Original besser sind weiß ich nicht.
Aber The LEGO Movie kannst auf Deutsch vergessen.

Ich bin auch ein totaler Verfechter des O-Ton (auch in Spielen).

Ich bekomme hin und wieder sogar vorgeworfen, dass ich doch gleich in ein englisch sprachiges Land ziehen soll, wenn mir englisch so gut gefällt, aber mir geht es hier tatsächlich um die Authentizität.

Deutsch mag rein sprachlich facettenreicher sein als englisch, aber mir geht es wirklich darum, wie es vom Schöpfer der Werke gedacht war. Bei alten Komödien wie „Hot Shots“ ist mir bei direktem Vergleich sogar aufgefallen, dass komplette Dialoge ohne ersichtlichen Grund total umgeschrieben wurden! Natürlich war es teils belanglos, aber ich finde es schon verwerflich, wenn ein Synchronstudio denkt: „Komplett belanglos was die da reden, wir legen einfach einen komplett anderen und ‚viel lustigeren‘ Dialog drüber.“

Filme aus Deutschland oder Österreich konsumiere ich auch gerne auf Deutsch.

Bei Dokus bin ich übrigens nicht ganz so heikel. Obwohl die Stimme des BBC-Sprechers David Attenborough oder die samtweiche Stimme von Morgan Freeman(!) schon auch seine Vorzüge hat. Je nach Wissensgebiet ist dort aber ein großes Vokabular an Fachbegriffen notwendig, sonst geht etwas verloren (sofern man auf Untertitel verzichten will).