International schon längst etabliert, in Österreich bisher schwerstens vernachlässigt: Crowdfunding, also das Finanzieren von finanzintensiven Projekten durch Mikro-Investoren. Was hier so sperrig klingt, ist eigentlich ganz einfach: Unternehmen, Vereine oder auch Einzelpersonen, die Finanzmittel zum Umsetzen von Projekten benötigen, erhalten diese nicht als Bankkredit, sondern in Form von Klein- bis Kleinstbeträgen, die ihnen private Unterstützer zur Verfügung stellen. Organisiert wird Crowdfunding oft durch Online-Plattformen, die sich auf die Abwicklung von Crowdfunding-Projekten spezialisiert haben. Eine gute Idee, wie man meinen möchte, doch: In Österreich bewegte sich Crowdfunding bis zuletzt in einer rechtlichen Grauzone. So manches Crowdfunding-Projekt endete in Rechtsstreitigkeiten. Prominentes Beispiel ist der Waldviertler Schuhhersteller Heini Staudinger, der den Ausbau seines Unternehmens mittels Mikroinvestoren betrieb und damit den Zorn der Finanzmarktaufsicht auf sich zog.
Am 24. März 2015 gelang auch für die österreichischen Bundesregierung endlich der Anfang, Crowdfunding in Österreich auf eine rechtlich sichere Basis zu stellen. In den meisten EU Ländern traten ähnliche gesetzliche Rahmenbedingungen nämlich schon längst in Kraft. Grund für uns, dieses Thema genauer zu betrachten und nachzufragen, was nun wirklich drinstehen soll, im neuen Crowdfunding-Gesetz für Österreich.

 

Crowdfunding – Was ist das überhaupt?

Am Anfang steht eine Idee. Eine Idee für ein neues Unternehmen, ein kreatives Projekt, eine gute Tat oder auch eine Schatzsuche. Das Problem liegt dann meist in der Finanzierung der Umsetzung. Der Knackpunkt dabei: Viele kreative Köpfe, JungunternehmerInnen, Start-Up Gründer und KMUs, also kleine und mittelständische Unternehmen, haben oft nicht genug Sicherheiten, um von den Banken des Landes einen Kredit und damit ausreichend Startkapital zu bekommen.
Wie also das nötige Kleingeld beschaffen? Die Lösung könnte für viele Projekte im Internet liegen: Crowdfunding-Plattformen wie wemakeit.at oder conda.at bieten schnell und unbürokratisch die Möglichkeit, Projekte vorzustellen und so an potenzielle Unterstützer zu gelangen. Diese können sich entscheiden, in welchem finanziellen Ausmaß sie ein Projekt unterstützen möchten und erhalten von den Projekteignern eine Gegenleistung. Diese Gegenleistung kann unterschiedlichst ausfallen: Vom handschriftlichen Dankesbrief über eine Produktprobe bis hin zur Unternehmensbeteiligung kann alles dabei sein. Je nachdem, wie großzügig der finanzielle Zuschuss ausfällt. Und genau das unterscheidet Crowdfunding auch von einer Spendenaktion: Während bei einer Spende ohne Gegenleistung Geld gegeben wird, freut sich ein Crowdfunder über eine konkrete und im Vorfeld vereinbarte Leistung der Projekteigner. Das eigentlich schöne am Crowdfunding-Gedanken ist aber: Jeder Geldgeber ist Teil der Crowd und finanziert so mit einem teils nur geringen Betrag eine große Idee.

 

Adieu gesetzliche Grauzone: Das soll drinstehen im neuen Crowdfunding Gesetz

Was auf dem Papier so schön klingt, war lange in Österreich eine gesetzliche Grauzone. Erst am 24. März 2015 präsentierte die Österreichische Bundesregierung in Krems eine rechtliche Grundlage für Crowdfunding in Österreich. Insgesamt soll damit der Zugang zum Crowdfunding erleichtert werden. Ziel des neuen Gesetzes ist vor allem, es den zukünftigen Unternehmen, gemeinnützigen Verbänden und Ideenträgern leichter zu machen, sich in der Region Geld von den Bürgern zu leihen und hierfür einen Rechtsrahmen zu schaffen. Im Gegenzug wird von den Geldnehmern gefordert, die Geldgeber mit fundierten Informationen zum jeweiligen Projekt zu versorgen.

Damit die ganze Sache für alle Beteiligten reibungslos funktionieren kann, muss es bestimmte Regeln geben. Diese Regeln fasst der Gesetzgeber nun im Alternativfinanzierungsgesetz, kurz AltFG, zusammen. Die wichtigsten Punkte daraus lauten kurz zusammengefasst:

  • Verbindliche Konzession für Plattformenbetreiber: Crowdfunding-Plattformen brauchen künftig den Segen der Finanzmarktaufsicht, oder eine Gewerbeberechtigung für Vermögensberater, Unternehmensberater oder Wertpapierdienstleister, um regulär arbeiten zu dürfen. So soll ein „Wildwuchs“ in der Branche verhindert werden.
  • Einzelanlagebeschränkung: Pro Person und Jahr dürfen regulär nicht mehr als 5.000 Euro in ein Einzelprojekt investiert werden. So sollen Investoren davor geschützt werden, mehr Geld in ein Projekt zu stecken, als sie sich leisten können.
  • Größere Summen: Will eine Person mehr als 5.000 Euro auf einmal zuschießen, muss sie einen Nachweis erbringen, dass sie entweder monatlich mehr als 2.500 Euro netto verdient oder die zu investierende Summe nicht höher ist, als 10% des persönlichen Finanzvermögens. Besitzt der Investor also Sparbücher mit mehr als 50.000 Euro Einlage, darf sein Investment in ein Crowdfunding-Projekt auch die Grenze von 5.000 Euro überschreiten.
  • Rücktrittsrecht: Auch ein Rücktritt vom Geschäft soll für den Geldgeber in Zukunft möglich sein. Wie genau das Rücktrittsrecht aussehen wird, ist noch nicht klar. Zur Diskussion steht ein 14-tägiges Rücktrittsrecht, ähnlich wie es auch im Verbraucherrecht geregelt ist. Dadurch soll gewährleistet werden, dass Crowdfunder von bereits getätigten Zahlungen wieder Abstand nehmen können, gleichzeitig der zukünftige Unternehmer nach einer bestimmten Zeit aber weiß, wieviel Geld ihm denn nun zur Umsetzung seines Projekts fix zur Verfügung steht.
  • Informationsblatt zum Projekt erst ab Finanzierungssumme über 100.000 Euro: Ebenfalls festgeschrieben wurde, dass Projektinhaber erst ab einer Fördersumme über 100.000 Euro ein offizielles Informationsblatt vorlegen müssen, in dem Förderer verbindlich über die konkreten Eckdaten des Projekts informiert werden. Dieses soll möglichst leicht verständlich sein und alle Informationen umfassen, die zur Entscheidung für oder wider eine Projektunterstützung maßgeblich sind.
  • Veränderte Prospektpflicht: War es ursprünglich aufwendig und teuer, ein Kapitalmarktprospekt für ein Investmentprojekt zu erstellen, gibt es nun Abstufungen je nach finanziellem Projektvolumen. Die volle Prospektpflicht besteht demnach erst ab einer Projektsumme über 5 Millionen Euro. Ab 1,5 Millionen gilt das so genannte „Prospekt light“, das noch näher definiert werden muss.

 

Reaktionen aus der Szene

Das Crowdfunding-Gesetz wird von der österreichischen Start-Up Szene und den Betreibern der Crowdfunding-Plattformen positiv angenommen. Die österreichischen Crowdfunding-Plattformen gehen davon aus, dass pro 10.000 Euro Crowdinvesting ein neuer Arbeitsplatz geschaffen wird. Das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (bmwfw) schätzt das Potential von Crowdfunding in Österreich auf 65 Millionen Euro pro Jahr. Diese Berechnung ergibt sich aus dem EU-Schnitt des jährlichen Pro-Kopf-Investments. Das wären dann also 6.500 neue Arbeitsplätze, die durch die gemeinschaftliche Finanzierung von Ideen entstehen würden.

 

Hinweis: Der vorliegende Artikel wurde nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und befindet sich auf dem Stand des 26.3.2015.

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geschrieben von

Peter Greisberger

Peter ist der digitale Handwerksmeister bei gesagt.getan. Er leitet Projekte, entwickelt Konzepte, hat Ideen und kümmert sich um die Geschicke des Unternehmens.

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