Pro

Hätte Rembrandt im 21. Jahrhundert gelebt, er wäre wohl der König des Selfie gewesen. Rund 70 Mal hat sich der Alte Meister selbst abgebildet, als alter und junger Mann, in Kostüm und Arbeitskleidung. Selbstbildnis nannte man das damals noch und Kunsthistoriker suchen in diesen Bildern die Auseinandersetzung des Künstlers mit seinem eigenen Ich. Wenn ich heute einen Blick auf mein Instagram-Account werfe, werde ich von der Anzahl der selbst ernannten Rembrandts in meinem Feed fast erschlagen. Da finde ich Selfies mit der besten Freundin, beim Shoppen, Essen, Lernen, mit Oma, Papa und Taylor Swift, beim Lachen, Weinen und Duckface-Ziehen. Selbstdarstellung mögen es manche nennen, bei genauerer Betrachtung erkenne ich in vielen dieser Selfies aber auch Schnappschüsse, die eine flüchtige Sekunde Lebensgeschichte in Einsen und Nullen bannen. Kleine Erinnerungen, spezielle Momente, erinnerungswürdige Begegnungen. Und plötzlich fühlt man sich diesen fremden Menschen, die einen über die Kameralinse so anlächeln, wie sie sich selber gerne sehen, ganz nahe. Indem sie den Auslöser ihrer Handykamera betätigen, ergreifen sie selbst die Kontrolle über das Bild, das von ihnen entsteht. Auch, wenn viele der Rembrandts 2.0 dabei oft nicht genug Vorsicht walten lassen.
Caro

 

Selbstauslöser als Alternative zum Selfie

Contra

Ich bin kein großer Freund von Selfies. Klar, Selfies wirken immer irgendwie spontan und hip, aber ehrlicherweise muss man auch einräumen, dass alle Selfies durch den natürlichen Hand-Armlänge-Körper-Abstand ähnlich aussehen und zumeist auch qualitativ nicht mit „echten“ Fotos mithalten können. Die schlimmsten Selfies werden ja oft mit der Frontkamera des Handys gemacht; die Qualität dieser Bilder lässt mich nostalgisch 10 Jahre in die Vergangenheit schweifen, als Mobiltelefone noch mit VGA-Kameras und polyphonen Klingentönen ausgestattet waren.

 

Insofern möchte ich mich hier eindeutig für den Selbstauslöser als Alternative zum Selfie aussprechen: War es nicht immer lustig, einen geeigneten Platz zum Aufstellen für seine Kamera zu finden, den Selbstauslöser zu aktivieren und wieder zur Gruppe zurückzulaufen, um es noch rechtzeitig aufs Foto zu schaffen? Ich kann mich an zahllose grandiose Fotos (und die Momente der Entstehung als intensives Erlebnis) erinnern – mit stolpernden Menschen, schadenfreudig lachenden Freunden und tollen damit verbundenen Erinnerungen.
Christoph

4.0516

geschrieben von

Carolina

Caro ist bei gesagt.getan. für den Bereich Online-Kommunikation zuständig. Sie bloggt, postet, fotografiert, konzipiert und erdenkt so ziemlich alles, was mit digitalen Medien zu tun hat. Und genau darüber schreibt sie hier auch.

Christoph

Caro ist bei gesagt.getan. für den Bereich Online-Kommunikation zuständig. Sie bloggt, postet, fotografiert, konzipiert und erdenkt so ziemlich alles, was mit digitalen Medien zu tun hat. Und genau darüber schreibt sie hier auch.

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