Seit Jänner 2006 sagt das Gesetz, dass Angebote auch im Internet barrierefrei zugänglich sein müssen. Verstöße können im schlimmsten Fall vor Gericht enden. Um für Klarheit zu sorgen, wollen wir dieses umfangreiche Thema der barrierefreien Webseiten und seine Bedeutung für privatwirtschaftliche Unternehmen in einer Blog-Serie beleuchten. Den Start macht die Frage:

Was bitte ist barrierefreies Internet?

In einem barrierefreien Internet wird darauf geachtet, dass Inhalte leicht verständlich und auf allen Endgeräten gleichermaßen zugänglich sind. Personen dürfen auch online nicht aufgrund ihrer Herkunft, Bildung, Alter oder diversen Einschränkungen benachteiligt werden. Österreich hat sich deshalb mit einer Vielzahl anderer EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, die Leitlinien der Web Accessibility Initiative (WAI) umzusetzen.

barrierefreie Website

Beispiel: Barrierefreies Internet für Blinde.

Blinde Menschen bzw. Menschen mit beeinträchtigter Sicht verwenden Programme, die ihnen Webseiten-Texte vorlesen. Diese Texte müssen aber so aufbereitet und in die Webseiten eingepflegt werden, dass die Programme Zugriff auf die Informationen haben. ALT-Texte zum Beispiel lassen die Programme Bildbeschreibungen vorlesen. Sind keine ALT-Texte hinterlegt, kann dies nicht geschehen.

Barrierefreie Webseiten sind Pflicht

Dieses einfache Beispiel und ganz viele andere Dinge gilt es zu beachten, wenn man seine Webseite barrierefrei betreiben möchte. Barrierefreiheit basiert übrigens nicht auf Freiwilligkeit. Mit Jänner 2016 hat die Übergangsfrist seit dem Gesetzesbeschluss in 2006 ein Ende genommen – Unternehmerinnen und Unternehmer müssen nun sicherstellen, dass ihre Webseiten so barrierefrei wie möglich sind. Sollte sich jemand benachteiligt fühlen und dies auch aussprechen, werden seit Anfang Jänner 2016 beide Parteien vor eine Schlichtungsstelle geführt, bei Nicht-Einigung winkt ein gerichtliches Verfahren.
Gesetzlich verankert ist das barrierefreie Internet bei privatwirtschaftlichen Betrieben im Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG, BGBl I Nr. 82/2005). Ein Zusammenfassung der rechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich gibt es hier.

Woran müssen sich barrierefreie Webseiten halten?

Wie überall gibt es auch beim Thema barrierefreie Webseiten Richtlinien, an die man sich halten muss. Diese heißen W3C Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0. Trotz des etwas umständlichen Namens haben diese Leitlinien zum Ziel, die Inklusion von eingeschränkten Personen zu fördern und Unternehmen auf dieses Klientel zu sensibilisieren.

Barrierefreie Webseite

Barrierefreie Webseiten und ihre Ausprägungen

Barrierefreie Webseiten haben drei Ausprägungen: Level A, Level AA und Level AAA. Level A ist dabei die niedrigste Stufe. Auf Level AAA sind alle Inhalte ausnahmslos barrierefrei umgesetzt. Im Folgenden haben wir eine Punkte dargestellt, die Teil der Umsetzungslevels sind.

Was bedeuten die einzelnen Levels?

Level A:

  • Textalternativen: Alle Nicht-Textinhalte (wie Bilder) haben eine aussagekräftige Textalternative (Alt-Text).
  • Unterschiedliche Darstellung von Inhalten: Aufzählungen sind als Listen formatiert.
  • Bereitstellung von Alternativen zu zeitbasierten Medien: Für aufgezeichnete Video-Medien existieren Textabschriften.

Level AA:

  • Vorhersehbare Webseiten: Die Navigation ist innerhalb eines Webauftritts gleichbleibend angeordnet und aufgebaut.
  • Hilfestellung: Eingaben, die rechtliche oder finanzielle Folgen haben, müssen vor dem Absenden geprüft, geändert oder bestätigt werden können.
  • Bereitstellung von Hilfmittel: Die Webseite hat Überschriften, die den Inhalt gliedern.

Level AAA:

  • Zugängliche Darstellung: Alle vorhandenen Webinhalte sind per Videoaufzeichnung in Gebärdensprache vorhanden.

Beispiele für barrierefrei umgesetzte Seiten kann man sich unter www.caritas.at und www.laetitia-pflegeheime.at ansehen.

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